Selenmangel: Symptome, Ursachen & Behandlung
Das essenzielle Spurenelement Selen übernimmt im menschlichen Körper lebenswichtige Funktionen – vom Zellschutz über die Schilddrüse bis hin zum Immunsystem. Doch was passiert, wenn davon zu wenig vorhanden ist? Ein Selenmangel bleibt häufig lange unerkannt, weil die Symptome unspezifisch sind und leicht mit anderen Beschwerden verwechselt werden. Gerade in Österreich und dem gesamten DACH-Raum ist die Selenversorgung oft unzureichend: Die Böden in Mitteleuropa enthalten extrem wenig Selen, und die durchschnittliche Aufnahme von Selen über die Nahrung liegt deutlich unter den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). In diesem Beitrag erfahren Sie, woran Sie einen Selenmangel erkennen, welche Ursachen dahinterstecken und wie Sie gezielt gegensteuern können.

Was ist ein Selenmangel und warum ist er so verbreitet?
Von einem Selenmangel spricht man, wenn der Körper dauerhaft zu wenig Selen erhält und die selenabhängigen Enzyme nicht mehr ausreichend arbeiten können. Selen wird als Bestandteil der Aminosäure Selenocystein in über 25 verschiedene Selenoproteine eingebaut, die zentrale Aufgaben im Stoffwechsel übernehmen. Dazu zählen unter anderem die Glutathionperoxidase (Schutz vor oxidativem Stress), die Thioredoxinreduktase (Zellschutz und DNA-Synthese) sowie die Deiodasen, die für die Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 in das aktive T3 verantwortlich sind.
Im Körper befinden sich insgesamt nur etwa 5 bis 15 Milligramm Selen – verteilt auf Gewebe und Organe. Die höchste Selenkonzentration weist die Schilddrüse auf. Bei einer Unterversorgung mit Selen priorisiert der Körper lebenswichtige Organe wie Gehirn und Schilddrüse, während andere Funktionen bereits eingeschränkt werden.
Warum sind die Böden in Mitteleuropa selenarm?
Der Selengehalt der Böden variiert weltweit stark. In Teilen Chinas oder Nordamerikas sind die Böden reich an Selen, während europäische – insbesondere mitteleuropäische – Böden vergleichsweise selenarm sind. Ein Grund dafür liegt unter anderem in der Belastung durch schwefelhaltigen Dünger und sauren Regen: Pflanzen nehmen dann bevorzugt Schwefel statt Selen auf. Das hat direkte Auswirkungen auf die Nahrungskette: Pflanzliche Lebensmittel aus selenarmen Böden enthalten entsprechend wenig Selen. Tierische Produkte schneiden etwas besser ab, weil dem Tierfutter mit Selen angereichert wird. Dennoch bleibt die Selenaufnahme in Österreich und Deutschland oft unter dem Bedarf.
Welche Symptome zeigt ein Selenmangel?
Die Symptome bei Selenmangel sind vielfältig und oft unspezifisch, was die Diagnose erschwert. Viele Betroffene bringen ihre Beschwerden zunächst nicht mit einem Nährstoffmangel in Verbindung.
Welche frühen Warnzeichen gibt es bei leichtem Selenmangel?
Ein leichter Selenmangel äußert sich häufig durch Symptome, die leicht übersehen werden:
- Müdigkeit und Leistungsschwäche: Selen ist am Schutz der Zellen vor oxidativem Stress beteiligt. Fehlt es, kann sich das in anhaltender Erschöpfung bemerkbar machen.
- Haarausfall und brüchige Haare: In Foren berichten viele Betroffene – besonders Frauen mit Schilddrüsenproblemen – über dünner werdendes, farbloses Haar als erstes Anzeichen.
- Weiße Flecken auf den Nägeln: Nagelveränderungen wie weiße Flecken auf den Fingernägeln treten bereits bei einer geringen Unterversorgung auf und können ein frühes Signal sein.
- Schuppige, blasse Haut: Auch die Haut kann bei verminderter Selenversorgung an Qualität verlieren.
- Erhöhte Infektanfälligkeit: Ein geschwächtes Immunsystem mit wiederkehrenden Infekten deutet häufig auf eine Unterversorgung mit Selen hin.
Was passiert bei chronischem Selenmangel?
Wird ein Selenmangel nicht erkannt und besteht über Monate oder Jahre, können die Folgen gravierender sein:
- Unterfunktion der Schilddrüse: Da die Deiodasen selenabhängig sind, kann ein chronischer Mangel die Umwandlung von Thyroxin (T4) in das aktive Trijodthyronin (T3) beeinträchtigen und eine Hypothyreose begünstigen. Viele Betroffene mit Hashimoto-Thyreoiditis weisen gleichzeitig einen niedrigen Selenstatus auf [1].
- Muskelschwäche und Gelenkbeschwerden: Selen spielt eine wichtige Rolle im Muskelstoffwechsel. Eine verminderte Versorgung kann zu Schmerzen und Schwäche führen.
- Verminderte Fruchtbarkeit bei Männern: Selen ist essenziell für die Spermienproduktion. Ein Mangel kann die Spermienqualität beeinträchtigen.
- Kardiomyopathie (Keshan-Krankheit): Diese schwere Erkrankung des Herzmuskels wurde erstmals in selenarmen Regionen Chinas beschrieben, wo die Böden extrem wenig Selen enthalten. Durch eine tägliche Gabe von Selen konnte das Auftreten dort deutlich reduziert werden [2].
- Kashin-Beck-Krankheit: Ebenfalls in denselben Regionen beobachtet, führt diese Erkrankung zu vermindertem Knochenwachstum und Gelenkschäden.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Selenmangel?
Nicht alle Menschen sind gleichermaßen betroffen. Bestimmte Gruppen haben ein deutlich erhöhtes Risiko:
- Veganer und Vegetarier: Da tierische Lebensmittel in selenarmen Gebieten die besseren Selenquellen sind, nehmen Veganer oft zu wenig Selen auf. Pflanzliche Lebensmittel aus mitteleuropäischem Anbau enthalten wenig Selen [3].
- Menschen mit chronischen Darmerkrankungen: Bei Morbus Crohn, Zöliakie oder chronischem Durchfall ist die Aufnahme von Selen im Darm beeinträchtigt.
- Schwangere und Stillende: Der Bedarf ist in diesen Lebensphasen besonders hoch (Stillende: 75 µg Selen am Tag laut DGE).
- Ältere Menschen: Mit zunehmendem Alter sinkt häufig die Nährstoffaufnahme.
- Dialysepatienten und Menschen mit Nierenerkrankungen: Über die Dialyse geht Selen verloren.
- Personen mit Essstörungen oder einseitiger Ernährung: Auch Alkoholmissbrauch kann zu einem Selenmangel beitragen.
Wie wird ein Selenmangel diagnostiziert?
Ein Selenmangel lässt sich nicht allein anhand der Symptome feststellen, da diese auch andere Ursachen haben können. Die zuverlässige Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung.
Selenwert im Blut: Welche Referenzwerte gelten?
Es gibt zwei Methoden, den Selenstatus zu bestimmen:
Die Vollblutanalyse gilt als aussagekräftiger, weil sich ein Großteil des Selens nicht im Blutplasma, sondern in den Blutzellen befindet. In Österreich können Sie den Selenwert über Ihren Hausarzt oder ein Labor bestimmen lassen. Bei ärztlicher Zuweisung werden die Kosten teilweise von der Krankenkasse übernommen – informieren Sie sich vorab bei Ihrem Versicherungsträger. Alternativ existieren auch Selbsttests für zu Hause, die allerdings meist auf einer Kapillarblutentnahme basieren und weniger präzise sind.
Ein diagnostizierter Selenmangel sollte immer ärztlich abgeklärt werden, um die Ursache der Unterversorgung zu identifizieren und eine gezielte Behandlung einzuleiten.
Wie sieht die durchschnittliche Selenversorgung in Österreich aus?
Die Zahlen zeigen eine klare Versorgungslücke: Männer nehmen durchschnittlich etwa 47 µg Selen pro Tag auf, Frauen etwa 38 µg. Der Referenzwert der DGE liegt jedoch bei 70 µg für Männer und 60 µg für Frauen. Das bedeutet: Viele Menschen in Österreich und dem gesamten DACH-Raum erreichen die empfohlene Zufuhr nicht – ein Selenmangel kommt also häufiger vor, als man annehmen würde [4].
Wie kann man einen Selenmangel behandeln?
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad des Mangels und der zugrunde liegenden Ursache. Grundsätzlich stehen zwei Wege offen: die Optimierung der Ernährung und die gezielte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
Welche Lebensmittel sind gute Selenquellen?
Wer gezielt selenreiche Lebensmittel wie Nüsse, Fisch und Fleisch in den Speiseplan einbaut, kann seine Selenaufnahme verbessern. Die besten Quellen im Überblick:
Paranüsse gelten als selenreichstes Lebensmittel überhaupt. Allerdings schwankt ihr Selengehalt je nach Herkunftsregion enorm. Ein bis zwei Paranüsse pro Tag können bereits einen Beitrag zur Selenversorgung leisten – eine zuverlässige und gleichmäßige Zufuhr von Selen ist damit allein jedoch nicht garantiert. Für Veganer und Vegetarier ist es besonders herausfordernd, ausreichend Selen über pflanzliche Ernährung aufzunehmen, da Lebensmittel gute Selenquellen meist tierischen Ursprungs sind.
Wann ist eine Ergänzung mit Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll?
Bei einem diagnostizierten Selenmangel oder einem nachgewiesen niedrigen Selenspiegel kann die Einnahme eines Selenpräparats sinnvoll sein – idealerweise nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker. Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied bei den Selenformen: Natriumselenit (anorganisches Selen) wird im Körper gezielt in Selenoproteine eingebaut und der Überschuss effizient über den Urin ausgeschieden. Organisches Selenmethionin hingegen wird unspezifisch in Körperproteine eingebaut und kann sich bei Langzeiteinnahme anreichern. Für eine dauerhafte Einnahme gilt Natriumselenit daher als die sicherere Wahl.
selenase® 200 XXL enthält 200 µg Selen in Form von Natriumselenit-Pentahydrat pro Tablette. Die Tabletten sind teilbar und eignen sich auch für eine Dosierung von 100 µg Selen täglich. Das Präparat ist vegan, glutenfrei, laktosefrei und hefefrei – und in Apotheken in Österreich erhältlich. Wichtig: Nehmen Sie Natriumselenit nicht gleichzeitig mit Vitamin C ein, da dieses die Bioverfügbarkeit von Selen beeinträchtigen kann. Halten Sie mindestens eine Stunde Abstand.
Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat die tolerierbare Obergrenze für Erwachsene bei 255 µg Selen pro Tag festgelegt. Eine Überdosierung (Selenose) ist bei sachgemäßer Einnahme und Beachtung der empfohlenen Tagesdosis nicht zu erwarten.
Häufige Fragen zu Selenmangel
Kann Selenmangel Haarausfall verursachen?
Ja, eine Unterversorgung mit Selen kann zu vermehrtem Haarverlust beitragen. Selen ist am Schutz der Haarfollikel vor freie Radikale beteiligt und unterstützt die Erhaltung normaler Haare. Viele Betroffene in Online-Foren berichten, dass sich ihre Haarqualität nach Ausgleich des Mangels spürbar verbessert hat. Allerdings können auch andere Ursachen hinter dem Problem stecken – eine ärztliche Abklärung ist daher immer ratsam.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Selenmangel und Schilddrüse?
Die Schilddrüse ist das selenreichste Organ im Körper. Selen wird dort für die Produktion der Schilddrüsenhormone und den Schutz des Gewebes vor oxidativer Schädigung benötigt. Ein chronischer Selenmangel kann die T4-zu-T3-Umwandlung stören und so eine Unterfunktion der Schilddrüse begünstigen. Bei Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis zeigen Studien, dass eine Selensupplementierung die TPO-Antikörper senken kann [5].
Wie viel Selen brauche ich pro Tag?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Frauen ab 15 Jahren 60 µg Selen pro Tag und für Männer 70 µg. Stillende haben einen erhöhten Bedarf von 75 µg. In therapeutischen Situationen – etwa bei Schilddrüsenerkrankungen – werden unter ärztlicher Aufsicht häufig 200 µg Selen am Tag eingesetzt.
Was passiert bei einer Selen-Überdosierung?
Ja, eine Überdosierung ist möglich und wird als Selenose bezeichnet. Zu den Warnzeichen zählen unter anderem knoblauchartiger Atemgeruch, Übelkeit, Haarausfall und Nagelveränderungen. Die sichere Obergrenze liegt laut EFSA bei 255 µg pro Tag für Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen gelten niedrigere Werte abhängig von Alter und Körpergewicht. Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel mit Selen sollten daher nie ohne Rücksprache höher dosiert werden.
Selenmangel – wann sollte ich zum Arzt?
Wenn Sie mehrere der genannten Symptome bei sich bemerken – insbesondere anhaltende Müdigkeit, Haarausfall, Infektanfälligkeit oder Schilddrüsenprobleme – ist eine Blutuntersuchung sinnvoll. Besonders Menschen aus Risikogruppen (Veganer, Schwangere, Personen mit Darmerkrankungen) sollten ihren Selenstatus regelmäßig prüfen lassen.
Auf einen Blick: Informationen zum Thema Selen und Selenmangel
- Das essenzielle Spurenelement Selen ist für Schilddrüse, Immunsystem und Zellschutz unverzichtbar.
- Die Böden in Mitteleuropa sind selenarm – viele Menschen in Österreich erreichen den Tagesbedarf nicht.
- Typische Symptome eines Selenmangels: Müdigkeit, Haarausfall, weiße Flecken auf den Nägeln, Infektanfälligkeit, schuppige Haut.
- Die Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung (Serum oder Vollblut).
- Selenreiche Lebensmittel wie Paranüsse, Fisch und Eier können die Versorgung verbessern.
- Bei nachgewiesenem Mangel kann ein Nahrungsergänzungsmittel mit Natriumselenit – wie selenase® 200 XXL – zur Optimierung der Selenversorgung beitragen.
- Lassen Sie sich vor der Einnahme ärztlich beraten und beachten Sie den zeitlichen Abstand zu Vitamin C.
Quellenangaben
[1] Huwiler VV et al. „Selenium supplementation in patients with Hashimoto thyroiditis: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials.“ Thyroid, 2024. [2] Ge K, Yang G. „The epidemiology of selenium deficiency in the etiological study of endemic diseases in China.“ American Journal of Clinical Nutrition, 1993; 57(2): 259S–263S. [3] Rayman MP. „Selenium and human health.“ The Lancet, 2012; 379(9822): 1256–1268. [4] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Selen. 1. Ausgabe, 5. aktualisierte Auflage, 2019. [5] Gärtner R et al. „Selenium supplementation in patients with autoimmune thyroiditis decreases thyroid peroxidase antibodies concentrations.“ Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2002; 87(4): 1687–1691.


